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Challenges Network Fortsetzung 2

Global Challenges Network

Hans-Peter Dürr „FÜR EINE ZIVILE GESELLSCHAFT“

„MÖGLICHKEITEN MENSCHLICHER ZUKUNFT
VISION EINER ÖKOLOGISCH NACHHALTIGEN; SOZIALEN; LEBENSWERTEN ZIVILISATION

Meine Betrachtungen haben mit der Vision einer ökologisch nachhaltigen, gerechten und lebenswerten menschlichen Zivilisation zu tun, eine Utopie, deren Realisierung aus heutiger Sicht unwahrscheinlich erscheint. Und doch müssen wir wohl, wenn wir der Menschheit langfristig eine Überlebenschance sichern wollen, eine solche Zivilisation mit allen Mitteln anstreben. Dies verlangt von uns ein Handeln, dass in weit höherem Maße, als wir das heute tun, die hohe Komplexität und die wechselseitigen Bedingtheiten der Wirklichkeit wahrnimmt und berücksichtigt. >>Ganzheitlich wahrnehmen, global denken und dann auch lokal und vernetzt handeln<<, sollte dabei unsere Devise sein. Unsere wirtschaftlichen Betrachtungen und Handlungsweisen lassen doch in der Regel völlig unberücksichtigt, inwieweit die globale gesamtwirtschaftliche Entwicklung überhaupt mit der notwendigen Vorbedingung verträglich ist, das endlich und nicht beliebig robuste Ökosystem unserer Erde, in dem wir Menschen auf Gedeih und Verderb eingebettet sind, uns als Lebensgrundlage zu erhalten. Ursprünglich hatte die wirtschaftliche Entwicklung ja vor allem zum Ziel, dem Menschen die physischen Bürden des Lebensalltags zu erleichtern und sein allgemeines Wohlbefinden zu fördern. Aufgrund der speziellen Rahmenbedingungen und Spielregeln unseres Wirtschaftssystems, die nicht nur zu hohen Leistungen, sondern zu Höchstleistungen in einem ganz begrenzten Sinne zwingen, hat sich jedoch hier eine verhängnisvolle Eigendynamik entwickelt, die unserer Steuerung zu entgleiten droht oder bereits schon entglitten ist. Ähnlich wie dem Sport durch die Forderung zur Höchstleistung im unerbittlichen Konkurrenzkampf seine ursprüngliche Bestimmung zur Gesundheitsförderung langsam verloren geht, so wird auch die Wirtschaft ihrer eigentlichen Aufgabe, die wesentlichen Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen, immer weniger gerecht. So zeichnet sich doch immer deutlicher ab, dass das unerbittliche Wettrennen der verschiedenen Länder und Ländergruppen um Marktvorteile letztlich von denjenigen gewonnen werden wird, die am schnellsten, raffiniertesten und umfassendsten die Naturschätze unserer Erde zu ihren Gunsten auszuplündern vermögen. Dieses Wettrennengleicht deshalb immer mehr einem Wettsägen an dem Ast, auf dem wir letztlich alle sitzen. Hierbei ist die beunruhigende Erkenntnis wichtig, dass dieses unsinnige und selbstmörderische Tun keinesfalls>>unnatürlich<< ist. Denn die Natur fällt niemandem in den Arm, der mutwillig seine eigenen langfristigen Überlebenschancen mindert, so, wie die Natur ja auch keine direkten Hinweise gibt, wie Überlebensvorteile besser wahrgenommen werden können. Die Natur überlässt vielmehr – metaphorisch gesprochen – alle diese Entscheidungen, scheinbar teilnahmslos dem ewigen Spiel von >>Versuch und Irrtum<<. Die Natur wird uns dann eben nach altbewährter Methode – wie unzählige Lebensformen vor uns, die wegen Unvermögens oder Dummheit sich nicht vorteilhaft in die über vier Milliarden Jahre währende Entwicklung einklinken konnten – einfach aus der Evolution entlassen. Die Natur kann nämlich ohne uns leben, aber wir nicht ohne sie und ihr auf der Erdoberfläche speziell ausgeprägtes Ökosystem, in das wir hineingewachsen und eingepasst sind.“ Fortsetzung folgt