Ich erinnere mich

Urlaub 1993, Portugal, Algarve
Wir waren auf dem Monte Seco, dem trockenen, herben Berg in einem Häuschen eines Bekannten preiswert unter gekommen.
Es gab keine Toilette, nur einen „Donnerbalken“ im Garten, ein Stück bergab. Sichtschutz war aus Schilf, gab aber keine Sicherheit. Das Gefühl, dass jeden Moment einer der Portugiesen, die hier ein „Wegerecht“ über das Grundstück hatten, hereinschauen und in etwa „guten Schiss“ wünschen könnten, war permanent vorhanden.
Wenn man duschen wollte, musste man den Wasserschlauch gefüllt auf das Duschhausdach legen, dann wurde es von der Sonne erwärmt. Wenn man es nicht vorzog, sich mit dem aus dem unterirdischen Speicher hochgepumpten kalten Wasser zu ergötzen, wonach einem des Öfteren der Sinn stand. Es war tagsüber quälend heiß. Dort erfasste ich den Grund der mittäglichen Siesta. Man konnte da wirklich kaum einen Finger rühren.
Zum Glück stand das Haus mit den meisten Fenstern nach Norden, da war allerdings eine Straße, staubig und steinübersät, auf der wir gekommen waren. Es fuhren nur selten andere Autos dort: vielleicht drei am Tag. Wir hielten alles tagsüber geschlossen. Er schlief einmal draußen, am Anfang, ohne Moskitonetz. Am Morgen war er total zerstochen und es heilte während des ganzen Urlaubs nicht richtig ab.
Abends erwachte das Leben überall. Die Menschen versammelten sich unten im Ort, gingen einkaufen, schwatzten, saßen auf dem öffentlichen Platz, aßen und tranken und sahen uns neugierig zu.
Das Allernotwendigste hatten wir mitgebracht, aber wir benötigten Trinkwasser. Das Wasser, das aus dem Reservoir hochgepumpt wurde, reinigte sich von allein, aber es floss ja unser Duschwasser dorthin zurück. Zum Pflanzen begießen mussten wir es erneut hochpumpen. Da es im Ort selbst und im Laden nur mit Kohlensäure versetztes Wasser gab, das ich nicht vertrage, waren wir zuerst etwas ratlos. Dann aber entdeckten wir auf halbem Berg Wasserstellen, wo Leute ihre Behälter voll laufen ließen. Wir erfuhren, dass die Aufschrift daran „Trinkwasser“ bedeutete. So löste sich dieses Problem schon am zweiten Tag. Am ersten trank E. Wein und ich vergnügte mich mit einem Schweppes-Wein-Gemisch. Später bekam ich Fruchtsaft, mich dann nicht so ein „SCHWEPPESGESICHT“ danach ziehen ließ.
In der nahe gelegenen kleinen Stadt Loulé war es wunderschön. Wir hatten sie schon gesehen, als wir vom Flugplatz in Faro aus mit dem Mietwagen durchkamen. Bis ins Dorf Monte Seco hatten wir es noch geschafft, denn es war schon 23.00 Uhr durch, als wir das Auto mieteten. Aber geschlafen haben wir dann im Auto und suchten das Haus erst, als wir morgens um 7.00 Uhr aufgewacht waren. Als wir das Haus betraten, war ich zuerst schockiert: Schmutzig und erbärmlich wirkte es auf mich. Aber dahinter war es sehr schön. Ein Zitronenbaum wächst an der gemauerten Eckbank, der gleichzeitig blühte und Früchte trug. Wir konnten die Zitronen gut für unsere Salate verwenden. Das ganze Haus ist hinten mit wildem Wein berankt, über dem Steintisch war ein primitives Dach, das Schatten gab.
Leider konnte man an der Stelle den „verschissenen“ Garten riechen. Die vorherigen Bewohner hatten dorthin ihren vom Trinken geärgerten Magen und Darm entleert, ohne das dann am Tage zu vergraben. Bis hinter die Strohmatte zum Loch hatten sie es im Dunkeln wohl nicht geschafft. Dort gab es ja einen Spaten und Sand, den man nach dem Stuhlgang benutzen konnte. Aber ich nehme an, dass die Männer wie meiner dort überall hin urinierten, denn Bäume, die sie ja bevorzugen, gibt es erst weiter unten im Garten.
Wir fanden ein Grillgerät, das ich notdürftig reinigte, der Geruch vom Holzkohlengrill und dem Gebratenen überdeckte dann die anderen Gerüche. Die Geckos an der Hauswand vergnügten sich mit dem Fliegenfang. Es sah sehr possierlich aus, wie sie mit ihren Haftfüßchen steil nach oben und unten kletterten. Wir hüteten uns, sie zu erschrecken, schließlich fingen sie auch die Moskitos und anderen Beißflieger dort.
Ich versuchte, mit dem Spaten die Überreste der Vorhergehenden zu vergraben, aber ich kam nicht in den Boden rein, obwohl ich damals noch mehr Kräfte hatte, als heute. E. störte weder diese Hinterlassenschaft, noch der Geruch. Darum bemühte er sich erst gar nicht.
Am Montag, dem 5. Juli sahen wir uns laut Tagebuch die Hotels und Clubanlagen von außen an, weil wir einen Blick auf Strand und Meer erhaschen wollten. Die Menschenmassen waren enorm. Sie lagen dicht an dicht auf Lattenrosten mit oder ohne Sonnenschirm am Strand. Es war schon 11 Uhr durch, aber die Ströme zum Meer hin nahmen nicht ab, als gäbe es keine Mittagsglut und kein Ozonloch.

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