Die herrlich verrückte Welt 10.

Kaum hat sie den Laden durchquert und das Klapprad in der Küche, geht wieder die Ladenklingel. Sie wundert sich, aber da steht Herr Schulze-Mayer in seiner ganzen geringen Körperhöhe mittendrin und füllt doch irgendwie alles aus. So hat sie sich immer orientalische Märchenerzähler vorgestellt. Wo stammt eigentlich der Name Aris her?
Guten Morgen.
Guten Morgen. Es geht gut, wie ich sehe. Die Zufriedenheit lässt die Augen des Goldkinds glänzen.
Ja, bis jetzt Glück auf der ganzen Linie. Ich komme gerade von der Wirtin am Mühlgraben. Scheint nicht schwierig zu sein. Sie wirkt gerne mit, hat Empathie mit den Flüchtlingen, freut sich, dass mir die Kinder am Herzen liegen.
Die Schwierigkeiten warten schon.
Wie? Welche Schwierigkeiten?
Da sitzt einer im Bauamt der Stadt, der hat die braune Gesinnung seines Vaters geerbt. Dem kam der Brand gerade recht, der will keinen Islam hier, obwohl er längst nominell kein Christ mehr ist aus Geiz.
Die Kirchensteuer nicht mehr bezahlt?
Genau. Dazu noch judenfeindlich, hetzt gegen „Ziegeunerpack“ und Rassenvermischung. Der könnte längst in Rente sein, aber er ist mit seinem Amt verheiratet. Seine Frau ist ihm schon vor zwanzig Jahren mit einem schwarzen Amerikaner durchgebrannt. Er führt Buch über alle „Grenzgänger“ in seinem Haus, denn darunter versteht er Liebeshändel genauso wie Betrug und Bestechung.
Welche Schwierigkeiten könnten das sein?
Der Toilettenumbau erfordert einen neuen Kanalanschluss, den wird er nicht genehmigen. Der Saal ist seit langem weg vom Kanalnetz der Stadt, faktisch, seit er nicht mehr betrieben wird, weil die Hygiene das Klo gesperrt hatte. Das war der Anna damals ganz recht, die viele Arbeit, als verwitwete Frau allein nicht mehr zu stemmen. Die entstehenden Kosten ungedeckt.
Wie heißt der Mann dort?
Schulze-Mayer, Adolf…
Ach, ein Verwandter?
Meines Vaters Bruder, eigentlich ein Depp, aber mit Kompetenzen. Er ist der Finanzwächter praktisch dort, obwohl sie ihn längst zum Bauamt abgeschoben haben. Gibt aber immer noch Leute, für die er sozusagen ein Vorbild ist.
Mein Gott!
Du sagst es. Was meinst du, soll ich tun? Ihm den Verstand verwirren?
Ja, mach ihn doch einfach in eine alte Marktfrau verliebt, meine Nachbarin ist so auf Zack, eine tolle Geschäftsfrau, die könnte ihn mit ihrem Mundwerk fertig machen.
Die ist doch verheiratet, das passt nicht zu ihm.
Es heißt aber doch: Wo die Liebe hinfällt … Vielleicht wird er ja auf seine alten Tage noch mal brünstig, geil oder wie sagt man heute?
Wo kommt eigentlich dein Name her. Aris ist ungewöhnlich.
Meine Mutter war Griechin, liebte die Philosophie und die Künste. Ihr erstgeborener Sohn hieß Aristoteles, der starb schon drei Tage nach der Geburt. Als ich kam, nannten sie mich Aristophanes, nach einem griechischen Komödienschreiber. Das steht in meinem Ausweis. Aris ist einfacher.
Toll! Aber warum bist du so klein, wenn ich fragen darf.
Nach meiner Geburt ging es meiner Mutter schlecht. Sie hat das kalte Deutschland nicht vertragen. Das helfende Nachbarmädchen hat mich von der Wickelkommode fallen lassen, daher die Verwachsung. Sonst bin ich gesund, aber meine Mutter ist damals gestorben.
Schlimmes Geschick – so wie du bist, habe ich mir immer den kleinen Muck vorgestellt, den arabischen Geschichtenerzähler.
Sie lachen sich an.
Mal sehn, was sich mit dem Onkel deichseln lässt.
Wer wird in der Stadt nachrücken?
Ich glaube, dass die Frau des Bürgermeisters den Posten bekommt. Sie war Bauleiterin, aber der neue, der die Firma gekauft hat, hat sich seinen Mann dafür mitgebracht und sie entlassen.
Ist die gut?
Von einer Frau erwarte ich Mitgefühl für die Flüchtlinge. Die kann denken und hat organisieren gelernt.
Dein Wort in Gottes Gehörgang. – Also: Toi, toi, toi!
Tschüss!

Die Zeitung steckt an der Ladentür. Wieder keine Zeit dieser Briefträger.
Cheryl überfliegt die Schlagzeilen: Müll von vorgestern.
Auf der 2. Seite soziale Brennpunkte. Die Ministerin fürchtet Übergriffe auf niedliche Flüchtlingsmädchen. Die schwedische Königin mit ihrer Gründung bittet, man müsse die Frauen und Kinder schützen, weil die jungen Männer in der Überzahl kommen und vielleicht zu unverfroren sind.
Bedenkenswert. Sehr wichtig!
Cheryl überlegt: Frauen und Kinder von den Männern trennen. Das wäre ein Königsweg, bevor die Männertoiletten umgebaut sind am Mühlgraben. Das könnte den Grund hergeben. Aber die Männer haben in den muslimischen Familien das Sagen, die geben ihre Frauen nicht weg, weil sie den eigenen Dreck nicht wegmachen wollen. Putzen und Wäsche waschen, das sind Frauenpflichten. Was könnten sie aber machen, wenn es so angeordnet wird?
Männer müssen in ihrem Zeltlager selbst Ordnung schaffen, eine eigene Leitung mit Befugnissen, um zur Arbeit zu zwingen und Sport und Spiel für die Leute organisieren mit den ortsansässigen Sportvereinen. Dort können sie Fairness lernen, auch gegenüber den Frauen. Deutsche Hausfrauen möchten nicht beglotzt werden und hassen diese Anmache, als wären sie alle Nutten, nur weil sie sich anders benehmen, als Muslima.

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