Berge

Ich erinnere mich (4.)

Einmal fuhren wir Richtung Spanien. Es war wieder furchtbar heiß.  In Huelva tauschten wir Geld und kauften eine Landkarte. Wir sahen noch einmal nach, wie weit es bis Gibraltar war: Zu weit.

Also beschlossen wir, nur nach Sevillia zu fahren und die Weltausstellung zu besuchen.  Bei der Suche nach Parkplatz gerieten wir in ein Kaufhaus, dann versuchten wir, zur Weltausstellung zu gehen und stellten fest, dass sie geschlossen war: Es war Montag.

Was soll man ohne Führer in einer Millionenstadt? Wir aßen also nur ein Häppchen und machten uns auf den Heimweg. Diese Fahrt entlang der unsichtbaren Küste ab Bollulos im Nationalpark war sehr schön. Wir bogen irgendwo ab und vergnügten uns am Strand und im Meer.

Am Tag darauf besuchten wir Faro, zuerst erkundigten wir uns am Flugplatz und erfuhren, dass unser Rückflug auf den Abend verlegt wurde. Dann fuhren wir auf die Faro vorgelagerte Insel. Der Strand war weit und breit sauberer als anderswo, keine Felsen, Sandalgarve. E. lag im Schatten, aber ich kann auf so harten Matten nicht sitzen oder liegen, die stellen mir immer das Blut in den Beinen ab und der Steiß tut dann auch weh.  Also lief ich noch weiter herum bis fast zur südöstlichen Spitze. Am Abend fuhren wir zeitig nach Monte Seco zurück zum Schlafen und gingen am nächsten Morgen ganz früh zum Strand. Es war unser vorletzter Tag. Darum bemühte ich mich, die interessanten Kamintürmchen auf den Häusern in Fotos festzuhalten und die Blütenberankung an Häusern und Treppenaufgängen, die hatten mich immer fasziniert.

Der letzte Tag verging dann mit dem Hausputz. Der Holländer hatte erzählt, dass die nächsten Gäste schon bei ihm angerufen hätten. Wir wussten bis dahin nicht, dass ein Telefon im Nachbarhaus ist – hätte uns einige Wege gespart. Als E. den Schlüssel wieder bei ihm abgab, kam der noch einmal mit, um sich auch von mir zu verabschieden und meinte, wir sollten doch im nächsten Jahr wieder kommen.  Dann ging es mit Sack und Pack los, für Badefreuden war es schon zu spät, aber wir fanden ein kühles Plätzchen direkt in Boulé, in einer Gaststätte mit dunklen Stühlen, einem herrlichen Schrank im Hintergrund und gutes Essen: Wein, Martini, Kognak und Sherry Brandy vor dem letzten Kaffee. Ein schöner Abschied, ich konnte sogar meine Fotorunde beenden, denn der Storch stand plötzlich an seinem Riesennest auf dem Stadttor!!!

Recht zeitig fanden wir uns auf dem Flugplatz ein, gaben ohne Probleme das Auto zurück und erfuhren, dass wir statt mit der Pleite-Fluggesellschaft mit Air Columbus fliegen würden. Es ging dann auch tatsächlich mit nur einer Minute Verspätung los. Wir hatten vordere Plätze erwischt und ich saß wie gebannt am Fenster. Straßen, Brücken, Berge, Felder, Wälder und Städte bildeten die schönsten Muster, die es geben kann. Die einzelnen Landschaften sind so verschieden voneinander. Über Spanien fielen mir viele kreisrunde Felder auf, die in Vierteln bestellt waren, so etwas hatte ich vorher nie gesehen.  Die Seen zwischen den Bergen bildeten bizarre Formen, wie ausgezogene Tintenklekse in Schulheften. Je weiter wir nach Norden kamen, desto eher war wieder Wasser in den Flüssen, oft aber doch nur in einem angestauten Teil. Später kamen Wolken, da flogen wir über der Nordsee und erst nach einem Ostschwenk dann über Deutschland im Dämmern und mit beginnender Dunkelheit klarte es wieder auf. Die Lichter von Frankfurt kamen mir dann so bunt vor, wie ein Rummelplatz. Aber eben ein sehr schöner.

Der Verantwortliche von der Pleite-Travel-Line saß mit im Flugzeug: Ein blonder Hühne mit Pferdeschwanz. Aber nachdem wir rasch unser Gepäck bekommen hatten,  sahen wir uns vergeblich nach Elmar um, der uns abholen wollte. In der Nacht ging kein Zug von Frankfurt nach Saarbrücken. Ein Taxifahrer wollte 400,- DM dafür. Wegen dem schlechten Ruf des Frankfurter Bahnhofs beschloss E. auf dem Flugplatz zu nächtigen. Er schlief auf einer Bank, aber für mich war es schlimm. Während der ganzen Zeit keine ruhige Minute geschweige denn Stunde. Der ständige Durchgang von Personal und Fluggästen, die dauernden lauten Durchsagen und die Angst um unser Gepäck … Ab 3.00 Uhr waren dann Kinder da, die laufend zur Toilette mussten oder um uns herumtobten, was den schnarchenden E. aber absolut nicht störte. Als er sich einmal schnaufend umdrehte, grinste und gröhlte ein Trupp Jugendlicher, die ihn wohl für einen Penner hielten: „…besser als auf einer Parkbank.“, So war ich froh, als er endlich um 7.00 Uhr aufstand und ich mich waschen und umziehen konnte, denn ich hatte im Leinenkittel doch heftig gefroren. In meinem warmen Kostüm ging es mir gleich besser. Nach der Suche eines fahrbaren Untersatzes für unser Gepäck frühstückten wir belegte Brötchen und fuhren pünktlich mit dem „Goethe“ nach Paris, wo ich dann doch noch sitzend eine Mütze voll Schlaf bekam. Von Homburg nach Limbach brachte uns ein Taxi, dessen Fahrer zwar die Gartenstraße, aber nicht das „Kino Café““ kannte.

Ich war wie erlöst, wieder zu Hause zu sein nach den Strapazen, hatte von vier verschiedenen Menschen und der Akademie Post. Mein Sohn rief an, dass er am Leistenbruch operiert worden sei und ich ging schlafen. Als ich aufwachte, arbeitete E. schon. Ich fand den Weg in meine Küche und bereitete die ersten Pommes frites mit Catchup für Gäste … Alles ging wieder seinen gewohnten Gang.

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