Ein Text von 2011

4.9.2011 Von Willen und Würde, von Wadenbein-  bis Wirbelbruch
Trotz eines arbeitsreichen, vergangenen Tages, steht das „Denkrad“  im Kopf auch fast zwei Stunden nach Mitternacht noch nicht still. Neben Wochenend-Hausputz und –Wäsche kochte ich Kürbis süß-sauer ein und nähte vier Kissenbezüge für den Ruheplatz des Hundes. Gleichzeitig lauschte ich dann einem Hörspiel nach Anton Tschechow „Das Drama auf der Jagd“, dessen Ende mein Mann nach seiner Heimkehr vom Abendtrunk noch mit mir hörte.
Danach las ich noch ein bisschen in den Appendixen vom „Wüstenplaneten“, einem Nachwort und verschiedenen Informationen zu Büchern, die sich des von Herbert Frank erfundenen Universums bedienen. Das macht Lust auf weitere Abenteuer.
Zum Abschluss wollte ich noch ein wenig im Buch von Hans Küng und Walter Jens weiterlesen. Einmal hatte ich es weggelegt, weil mir Jens zu schwierig war an der Stelle. Nun, ich bin eben nicht halb so belesen wie er – war, muss man leider sagen.
Die große Angst, dass ich nicht mehr schreiben kann, die soll mich nicht aufzehren: Jetzt erst ein Blog, dann noch wenigstens eine Erzählung – und die Gedichte, alte und neue möglichst auch noch.
Ausklingen, ich werde ausklingen, wenn es möglich ist.

09.09.2011

Ja, die Angst vor der Altersdemenz soll mich nicht lahmlegen. Depressionen waren einmal. Jetzt, wo mein Schlafbedürfnis nicht mehr so groß ist und im Gegenteil, mich nachts wach bleiben lässt, könnte, will ich die Möglichkeit des Schreibens nutzen.

Aber ich muss den Hausarzt wechseln. Von dem jetzigen kann ich nichts erwarten, ihm werde ich nichts anvertrauen. Vielleicht ist ja doch die Nachfolgerin meiner früheren Hausärztin besser geeignet, meine Sorgen und Hoffnungen zu verstehen. Wäre Zentzi doch nur nicht von der Bildfläche verschwunden! Aber was soll man sagen, wenn jemand ein neues Lebensglück gefunden hat?

Es ist schrecklich, von dem geistigen Verfall des wortgewandten Walter Jens zu lesen, die Schwierigkeiten seiner Frau Inge und seines Sohnes Tilman möchte man nicht haben. Aber dieses Geschehen bestätigt mir wieder, dass man ein einhundert prozentiges Ableben in so einem Fall nur selbst organisieren kann, rechtzeitig, sobald man die Diagnose hat. Kein Partner, keine Tochter oder Sohn würden mich erlösen. Menschen mit ihren Gefühlen von Liebe, Verantwortung und Moral können das nicht tun.

Zum Glück weiß ich, wie sich das anfühlt, wenn einem die Begriffe fehlen. Ein ordentliches, geistiges Gespräch ist mir seit genau 25 Jahren nicht mehr möglich. Darum musste ja Dr. Zentz den  Alzheimer-Test mit mir machen. Allerdings kamen mir die Fragen und Aufgaben so vor, als könnte mit diesem Test erst ein spätes Stadium erfasst werden.

Von Willen und Würde, von Wadenbein-  bis Wirbelbruch

Der Willen

Wille

= allgemein das handlungsleitende Streben

Philosophisch:

= gemäß der Vernunft bzw. aus Gründen bestimmtes Streben

Psychisch:

= Vermögen des Menschen, sich bewusst für oder gegen eine bestimmte geistige Einstellung oder eine bestimmte Weise des Verhaltens zu entscheiden

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