Sterntaler

Als das Wünschen noch geholfen hat, machte eine arme junge Frau sich auf den Weg, um Arbeit zu suchen. Ihre Eltern waren gestorben und ihr Mann im Krieg geblieben.

Als sie in die Stadt kam, waren Schmutz und Lärm so groß, dass sie es nicht aushalten konnte. Sie lief und lief, geriet am Rande der Stadt in die Felder und als sie eine Baumallee in der Ferne sah, war ihr, als würde die sie magisch anziehen. Sie ging lange auf dieser Pappelallee, dann bog sie ab, weil ein duftender, blühender Garten in einer Nebenstraße winkte. Die rosa Apfelblüten wurden von Bienen umsummt und sie dachte bei sich: So fleißig wie eine Imme würde ich arbeiten, wenn ich nur das Rechte fände.

Dann sah sie einige Gärtner, die hatten viel Arbeit mit dem Pflegen von Gemüse und dem Ernten. Radieschen, Gurken und Salate wurden verpackt, um sie in die Stadt zu fahren. Ein Erdbeerfeld und ein Blumenfeld wurden gejätet. Ein Imker tauschte Honigtrachten und auf einer Wiese jagdten sich spielende Ziegen. Dort blieb sie stehen, pflückte einige Kräuter und lockte die Ziegen damit an den Zaun.

„Stopp!“ Hinter ihr klang eine barsche Frauenstimme. „Ziegen suchen sich ihr Futter selbst, oder wollen sie die vergiften?“

Die junge Frau drehte sich um und erkannte eine alte Freundin ihrer Mutter, die sie als Kind das letzte Mal gesehen hatte.

„Tante Felicitas?“ fragte sie darum.

Die Frau schaute ihr ins Gesicht, musterte sie von oben bis unten und begann dann zu lächeln.

„Du musst Eveline sein, bist deiner Mutter Eva wie aus dem Gesicht geschnitten! Woher kommst du und wohin gehst du?“

Es gab viel zu erzählen und am Ende des Tages fand Eveline Arbeit in der großen Gärtnerei, durfte bienenfleißig sein, Ziegen versorgen und melken, um dann zu lernen, wie man Käse daraus herstellt.  Sie war glücklich und musste immer wieder an die Pappelallee gehen, weil die ihr den Weg gezeigt hatte, den sie sich in ihrem tiefsten Inneren gewünscht hatte.

 

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