Die herrlich verrückte Welt 6.

Im Kino gibt`s keinen so tollen Film. Möchte dich mit einer Freundin von Friedel, meiner vor zwei Jahren verstorbenen Frau bekannt machen. Sie hat eine kleine Kneipe mit Pension hier in der Nähe, den „Heißen Ofen“.
Ach, hab ich schon gelesen so ein Hinweis-Schild.
Er geht ein bisschen steif neben ihr, gestern war er doch locker? Aber sie ist auch aufgeregt: Jetzt werde ich mit Friedel verglichen, sagte sie sich.
Aus dem Gastraum klang Schunkelmusik bis auf die Straße, als sie eintraten, qualmte der Tabackdunst nur so heraus. Igittigitt. Ich mag in keine Räucherhöhle…
Nee, im ersten Stock ist das Frühstückszimmer, da kann man nett essen.
Hallo Dörte, hallo Klaus. Das ist Cheryl Goldinger, ich werde für sie arbeiten. Angenehm. Ein kleines Schnitzel mit Pommes und Salat?
Ja.
Und was möchtest du, Goldi?
Die Wirtin grinst, als er Cheryl so nennt.
Eine Wiener und Salat würden mir jetzt schmecken.
Wiener sind immer ein Paar.
Ist nicht so schlimm, im Notfall nehm ich die zweite für meine Katzen mit.
Sie steigen in den ersten Stock. Schon, als beide auf der Treppe sind, fragt Dörte: Wie immer ein Pils? Und für die Dame?
Eine Weißweinschorle bitte.
Okay.
Der Frühstücksraum ist hübsch eingerichtet mit Blumen vor den Fenstern und Sträußchen auf den Tischen. Finn geht an einen größeren besetzten Tisch und klopft auf das Holz: ´n Abend.
Die Männer spielen Skat, eine Frau daneben rückt zur Seite: Auf der Bank ist noch Platz. Finn schon im Fortgehen: Danke, wir setzen uns lieber ans Fenster.
Cheryl ist mit dem Fensterplatz sehr zufrieden und nimmt den Stuhl, auf dem sie den anderen den Rücken zudreht. Möchte nicht so gern, dass jemand ihr Gesicht studiert.
Der mit den Locken ist Dörtes Mann, die anderen sind aus dem Ort bis auf den mit der Brille, der zählt zurzeit Waldtiere. Die Behörden wollen wissen, ob sich wirklich schon ein Wolf hier rumtreibt wegen der Ziegen und Schafe auf den Wiesen, und wegen der Schmusekarnickel im Kleingartenverein nahe am Waldrand.
Wenn genug kleine Säugetiere da sind, geht der nicht über die Zäune oder an Ställe.
Sagt der behördliche Zähler auch. Sogar einen Waschbären soll ein Wolf weiter im Osten von hier erlegt haben. Sie haben den schönen Schwanz und andre Fellreste gefunden.
Aber Vögel werden von den Wölfen auch gejagt, Eulen, die sich am Tage irgendwo erreichbar hinsetzen und doch nur bei Nacht gut sehen.
Eine Klingel ertönt. Bier und Weinschorle stehen im Aufzug. Der Wirt steht auf und serviert sie den beiden, geht aber sofort zu seinen Karten zurück. Verflixt, wer hat mein Kreuz-As geklaut? Gelächter am Tisch: Suchen!
Die amüsieren sich immer, wenn Dirk servieren muss. Aber keiner nimmt übel. Es ist ja Spiel und geht nie um viel Geld, nur Geldstücke, die in ein Glas auf dem Tisch geworfen werden müssen, vor jedem Spiel und wenn einer flucht oder ein fieses Wort benutzt.
Kannst du Skat spielen, Goldi?
Ich verliere immer, darum lass ich`s.
Es klingelt schon wieder. Diesmal nimmt Dirk sein Blatt mit, steckt es einfach in die Hosentasche, nimmt dann das kleine Tablett und kommt mit Schnitzel, Würstchen und Salat an den Tisch. Was soll das Tütchen, lag mit drin?
Sicher für mich, wenn ich das zweite Würstchen für die Katzen mitnehmen möchte.
Aha.
Du wirst doch so zwei kleine Wienerle schaffen, ulkt Finn.
Will nicht noch mehr zunehmen, bin rund genug.
Meinetwegen könntest du zum Kugeln sein, du würdest mir trotzdem gefallen.
Danke, der Herr! Doch dann sind Zucker und Fettleibigkeit kein Vergnügen. Ab und zu möchte ich nämlich Schokolade genießen oder Eis mit Schlagsahne. Darum ist es besser, abends weniger zu futtern.
Das ist gut überlegt. Guten.
Gleichfalls guten Appetit.
War deine Frau krank, wenn ich das fragen darf?
Brustkrebs, zu spät entdeckt, warn schon viele Metastasen da.
Krebs, ein furchtbarer Tod. Meine Mutter starb daran, ein Jahr später Vater an Herzinfarkt. Er konnte nicht ohne sie leben nach über 40 Jahren Ehe.
Traurig. Aber du bist noch keine 40?
Neugierig eh!
Gut, eine Dame fragt man nicht nach dem Alter. Ich bin jetzt 39, meine Frau war auch erst so alt. Wir gingen gemeinsam zur Schule. Friedels Großmutter ist in gleicher Weise gestorben.
Ja, man sagt, dass es sich eher in die übernächste Generation vererbt. Das lässt mir Chancen. Außerdem gehe ich mehr nach den Goldingers, im Aussehen und auch in manchen anderen Anlagen. Oma Goldinger sagte, ich sei robuster als meine Mom und nicht so zartgliedrig.
Aber ziemlich klein biste, wie ich festgestellt habe.
Omas ältere Schwester ist so klein und schon 93, hat wie ich immer gesund gelebt, nur manchmal trinkt sie gern einen Likör. Sie lebt seit 14 Jahren im Heim „Am Krähenberg“.
Manchmal bestelle ich mein Essen dort. Ist immer was los im Speisesaal. Aber jetzt müssen einige gefüttert werden. Da sehe ich nicht gern zu, viele Erinnerungen. Hab inzwischen ganz gut kochen gelernt, nicht nur Pommes frites und Schnitzel, Rumpsteak und Eierkuchen.

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