Die herrlich verrückte Welt 13.

Ich bin nur eine abgebrochene Kunststudentin, die jetzt hier den Laden ihrer Oma weiterführt. Von Rechnungswesen und Verwaltung keinen blassen Schimmer. Ich brauche Freiwillige, eventuell erfahrene Rentner, die einen Job bei dieser Sache annehmen können, sich voll engagieren wollen. Ich stelle Bauarbeiter ein, für die notwendigen Arbeiten wie Toilettenumbau, Heizungssanierung, brauche einen Bauleiter, einen guten Organisator, der sich rasch Übersicht verschafft. Denn Eile ist geboten, der Winter kommt garantiert, kann sogar frühzeitig harte Vorboten schicken.
Können sie den regulär bezahlen oder denken sie an Schwarzarbeit?
Na, hören sie mal, bei mir geht alles nach Gesetz und Ordnung, hätt ich sie sonst gerufen?
Entschuldigung! Gut, ich kann in einem Artikel ihre Nöte beschreiben.
Herr Lohe meldete sich zu Wort. Ist denn auf dem Grundstück der Wirtin nicht ein großer Garten?
Ja, den hat sie nicht mehr bearbeiten können. Es liegt angrenzend sogar noch verpachtetes Feld.
Ich bin auf der Suche nach Aufstellungsmöglichkeiten für einen von mir geräumten Verkaufspavillon, den ich für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung stelle.
Das wird wohl nichts, es sei denn, sie stellen Toiletten und Waschräume ebenfalls auf. Wie groß ist denn so ein Pavillon?
Groß: 144 m2, das sind etwa drei Klassenzimmer.
Wahnsinn! Aber da geht nur einer in den Garten, wenn noch Toiletten und Waschräume dazu kommen. Das muss schon sein. In den Pavillon würden eine Menge Notbetten reingehen, entsprechend groß fallen dann die Begleiträume aus. Ein bestimmtes Platzvolumen ist wohl auch für Flüchtlinge vorgeschrieben, das sind Einschränkungen. Aber psychologisch ist Abgrenzung für jede Person extrem wichtig. Es gibt schon genug Streitfälle, wie man hören und lesen konnte.
Frau Mai hat aufmerksam zugehört: Vielleicht lässt sich der zweite Pavillon für Toiletten und das benutzen?
Das kann ich nicht bestimmen. Frau Traub hat bisher nur zum Umbau des Tanzsaales ja gesagt. Ob sie den Garten auch noch hergibt, ist fraglich. So groß ist die Küchenkapazität nicht, diese neue Variante ebenfalls zu verkraften.
Aber hören sie, diese Sache fällt nicht mehr in meine Kompetenz, denn mein zeitliches und kraftmäßiges Limit ist begrenzt. Ich hab den Laden und ein Privatleben. Es wäre mir auch lieb, wenn die alte Wirtin nicht überfordert würde. Die organisiert die Kocherei mit Helfern und Spenden aus der Stadt. Eigentlich wollte sie das schon in jüngere Hände geben, will aber die Aufsicht behalten, schon wegen der Hygiene und ihrem guten Ruf als Köchin.
Cheryl findet das Gespräch langsam anstrengend. Warum muss sie sich jetzt sogar wehren? Die allgemeine Notsituation bringt mich in eine Zwangslage. Wenn es solche Mühe macht, wie soll man da den Humor behalten? Aber ohne Humor ist das menschliche Leben unerträglich. Sie lacht plötzlich ziemlich unmotiviert, finden die anderen beiden.
Sie starren sie verwirrt an.
Was ist daran lustig?
Na eben, nix. Das ist es ja, ich will nicht verrückt werden bei all dem Elend. Wir sind in Edenbach. Der Garten Eden ist ein Synonym fürs Paradies. Milch und Honig fließen hier gerade nicht. Versuchungen gibt es viele, aber wir wollen die Vertreibung nicht provozieren. Ein Ort der Glückseligkeit muss sich seinen Namen verdienen. Das Prinzip Hoffnung allein trägt nicht. Ohne menschlichen Humor und viel Arbeit geht es nicht.
Gut, ich habe bald den nächsten Termin mit Grundstücksbesitzern wegen der Pavillons von Herrn Lohe. Vielleicht gibt es da schon eine bessere Lösung. Ich habe notiert: Sie suchen aus der Bevölkerung einen Bauleiter, Bauarbeiter und Hilfskräfte, die kann vielleicht das Jobcenter stellen.
Und eine große Bitte: Lassen sie mich nicht hochleben, das wäre mir peinlich. Es soll nicht zu viel Lärm darum entstehen, damit nicht Einbrecher auf die Idee kommen, bei mir gäb´s was zu holen. Unordnung und Chaos wären das letzte, was ich hier in dem kleinen Haus, Laden und Atelier gebrauchen könnte.
Okay. Ich versuche, dieser Bitte zu entsprechen, kann aber nichts machen, wenn mein Chef meint, dass ich ihnen ein Loblied singen muss.
Frau Mai und Herr Lohe gehen.

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