Die herrlich verrückte Welt 15.

Der Schulze Mayer interessiert sich für sie. Er bewundert ihre Courage auf dem Markt und so. Schließlich ist er ein einsamer Mann und noch nicht jenseits von gut und böse.
Meinen sie etwa, der ist verliebt in mich, ein altes Marktweib? Das ist aber echt komisch!
Sie lächelt.
Seine Frau hat ihn damals mit einem schwarzen Amerikaner betrogen und ist auf und davon. Ich glaube, dass ihm ein wenig mütterliche Zuwendung und weibliche Freundlichkeit gut täten. Sie haben gesehen, wie es um ihn steht.
Ei freilich, so ein Mannsbild verloddert leicht allein.
Das sehe ich auch so. – Möchten sie mit mir Pellkartoffeln und Quark essen? (Etwas Besseres zu kochen hat sie inzwischen aufgegeben.) Jetzt ist es doch zu spät für sie, noch was zu machen.
Das kann ich doch nicht annehmen.
Warum nicht, unter Nachbarinnen?
Sie haben sie mit Kümmel gekocht, es riecht gut. Also einverstanden.

Am Nachmittag stellt sich Dillgarten mit ausgearbeitetem Vertrag für Frau Traub ein. Er berichtet, dass er noch keinen Rechtsanwalt gefunden hat, der zu helfen bereit ist.
Sofort denkt Cheryl an Aris, der muss wieder zaubern, damit kein Stillstand in dieser dramatischen Flüchtlingssituation entsteht. Wo doch die Bauarbeiten bald anfangen müssen.
Dillgarten ist ganz beim Projekt. Ich dachte, dass man den Samariterdienst bitten sollte, schnellstens Schlafgelegenheiten in den Tanzsaal zu stellen. Das rote Kreuz hat vielleicht bewegliche Raumteiler von den Kursen, die sie manchmal abhalten oder den Blutspendeaktionen.
Wenn der Kunstverein Stellwände hätte, die momentan nicht benötigt werden, könnten die es auch tun. Cheryl denkt an den Verein, der schon mehr als eine Ausstellung initiiert hat. Warum sollte man die in solch einer Situation nicht bitten? Die allgemeine Hilfsbereitschaft ist jetzt hoch.
Gut. Lesen sie sich das mal durch.
An dem Vertrag scheint ihr alles in Ordnung.
Ich kann aber jetzt aus dem Laden nicht fort, erst 16.30 Uhr. Sie könnten schon zu der Wirtin fahren und sie vorbereiten.
Okay. So machen wir das.
Als Cheryl dann per Fahrrad „Am Mühlgraben“ ankommt, ist gerade das Ausladen von Hilfsgütern im Gange. Frau Traub dirigiert aus der Küche, was ins Kühlhaus muss und was gleich zur Verarbeitung für das heutige Essen genommen werden kann. Auch in der Gaststube ist Betrieb. Die Wirtin muss aus der Küche an den Zapfhahn. Die Stammgäste aus der Rentnergarde sind schon da. Einer hilft sogar ausladen beim Fleischer draußen.
Ganz schönes Gewimmel, denkt Cheryl und schließt ihr Fahrrad am Ständer vor der Wirtshaustür an.
Drinnen sucht sie Dillgarten vergeblich, bis sie von jemandem in den Tanzsaal geschickt wird. Dort findet sie außerdem Aris mit einem Fremden im Gespräch. Als sie näher kommt, hört sie, dass um die Außentür vom Tanzsaal auf die Straße verhandelt wird. Diese ist nach heutigen Maßstäben nicht stabil und sicher genug und soll als erstes vor Baubeginn erneuert werden. Der Fremde wird ihr als Kunibert Berthel vorgestellt und Spezialist für öffentliche Großprojekte, ein Baumensch also. Er hat schon alles mit Aris inspiziert, bevor Dillgarten eingetroffen ist. Die Örtlichkeit findet er für das Vorhaben angemessen und verabschiedet sich rasch.
Auf dem Fußboden fällt Cheryl ein Kreidestrich auf.
Aris informiert: Da soll die Mauer hin.
Ein Problem gibt es: Soll der neue Raum ein Durchgangszimmer werden? Sonst muss ein Flur daneben einkalkuliert werden.
Ach je! Klaro! Was meinen Sie?
Die Besprechung geht weiter. Plötzlich fällt Cheryl Tim ein. Der weiß nicht, wo sie ist, falls er im Laden anruft. Sie will ja heute Abend bei ihm die besonderen Kartoffelpuffer essen.
Aris steht neben ihr und knufft sie in den Arm.
Ja? Ich muss nach Hause und telefonieren. Will heute noch nach Betten oder Liegen forschen, mich um Stellwände kümmern und ein bisschen Privatleben habe ich auch noch.
Tolle Ideen, aber ich habe es schon organisiert. Aris grinst sie unverschämt an.
Das tut ihr gut. Du bist ein verlässlicher Mensch, meine natürlich „sie“.
Macht nix. Ich würde auch gern „du“ sagen zu meinem Goldkind. Die Verbrüderung können wir dann mal nachholen.
Dillgarten stimmt in das Gelächter ein. Der Saal hat einen Wiederhall und klingt nun fröhlich. Cheryl atmet tief durch. Man muss seine Kräfte schonen.
Gemeinsam suchen sie die Wirtin und die Papiere sind schnell unterzeichnet. Dann sucht Cheryl das Weite. Dieser Trubel behagt ihr nicht, weil sie darin eine Rolle spielt, die ihr nicht passt.
Als sie mit dem Radel an ihrem Laden vorfährt, steht da der Smart von Frau Mai. Eine Frau mit einem langen roten Zopf steigt aus und ruft in das Auto zurück: Hol mich in einer Stunde wieder.
Sie kommt auf Cheryl zu und lacht breit: Ich bin das Monster Glöckchen und war einmal ein Söckchen. Und wer bist du?
Lilo?
Nein Lilo bin ich, mein Goldkind.
Mensch, wo kommst du denn auf einmal her?
Siehste doch.
Mais Smart fährt davon und Cheryl und Lilo umarmen sich. Küsschen rechts, Küsschen links.

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