Zitat

Das Jahr der Wörter – Folge 175 (24. Juni)

hurtig

Oje, schon wieder eine Woche um … und die OV-Redaktion braucht Nachschub für die Kolumne. Hurtig ein weiteres Wort auf unserer Liste vorgenommen!

Hurtig – ein merkwürdiges Wort. Der große Duden erläutert es als ›schnell, flink und mit einer gewissen Behändigkeit tätig, sich (auf ein Ziel) bewegend‹; im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm findet man unter anderem die Bedeutungsangaben ›flink auf den Beinen, schnellen Laufes‹ und ›gewandt in Erfinden und Reden‹. Redewendungen wie ein hurtiger Kopf, ein hurtiger Verstand, ein hurtiges Gemüt waren früher möglich, klingen heute jedoch veraltet.

Das Adjektiv („Eigenschaftswort“) hurtig kommt von dem mittelhochdeutschen Wort hurt(e) (›Stoß, Anprall‹) und ist aus dem Altfranzösischen entlehnt; dort bedeutet das Verb („Zeitwort“) hurter so viel wie ›stoßen‹. Es geht seinerseits zurück auf das altnordische hrutr (›Widder‹), das mit Horn und Hirn verwandt ist und ursprünglich ›gehörntes Tier‹ bedeutete. Ursprünglich verstand man also unter hurter ›stoßen wie ein Widder‹.

Noch heute kennt man im Französischen heurter und im Englischen to hurt (beides bedeutet ›verletzen‹). Im Mittelalter war der buhurt, in dem hurt ebenfalls steckt, neben der turnei und dem tjost eine Form des ritterlichen Kampfspiels, bei dem die Beteiligten mit Waffen aufeinander losrannten bzw. zugaloppierten.

Das Mittelhochdeutsche leitete von dem Substantiv („Hauptwort“) hurt(e) auch ein Verb hurten (›kampfweise gegen jemanden anrennen‹) ab. Ebenfalls verwandt ist das landschaftliche hürzen oder hurzen (›rennen, gegen jemanden oder etwas anrennen wie ein Bock oder Widder‹). Ob an dieses Wort bei Hape Kerkelings bekanntem Ulk-Gesang Hurz! zu denken ist (immerhin ist es dort das Lamm, das „hurz!“ schreit), lässt sich nur mutmaßen.

Neben hurten kannte das Mittelhochdeutsche zu allem Überfluss noch ein – nicht verwandtes – Verb hurren (›sich schnell bewegen‹), das auf die lautmalende Interjektion (das „Ausrufwort“) hurr! zurückgeht und heute noch in unserem hurra! steckt. Aufgrund der lautlichen Ähnlichkeit konnte hurren und hurten leicht verwechselt werden, besonders in der Vergangenheitsform: Der ritter hurrte und der ritter hurtete bedeutet jeweils Ähnliches, und das doppelte te in hurtete konnte leicht zu hu(r)rte zusammengezogen werden. Liest man in einem zeitgenössischen Roman also beispielsweise: „do hurte mänlich der küng Diomedes wider den küng Priamus“, so weiß man nicht mit Sicherheit, welches der beiden Verben gemeint ist. Immerhin weiß man, worum es inhaltlich geht: Der eine König greift den anderen an, oder auch: Es geht hurtig zu.    Jochen A. Bär

Also ein Wort des Merkens würdig!

Ein Hoch auf die archetypen Modelle und ihren Niederschlag in der Sprache!

Viele veraltete Wörter werden irgendwann neu entdeckt und wieder benutzt. Warum nicht dies? Irgendwie klingt es lustig, kämpferisch, na ja…

„Hurtig auf zum Streite,

tretet in die Bahn.

Kraft und Mut geleite

uns zum Sieg hinan.

Ja, zu höherm Ziel

führet unser Spiel …“  – Das haben wir früher als Turnerinnen gesungen. Es hat sich eingeprägt, war emotional geladen. Heute würde es wohl heißen: „Zielführend.“

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